Rede zur Eröffnung der Ausstellung: „...und es kamen Menschen - 50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen“ am 28.11.2011
Mitra Sharifi, Migranten und Integrationsbeirat der Stadt Bamberg)
Besaret Penzkofer, Migrationssozialdienst der Arbeiterwohlfahrt)


Sharifi
: Sehr geehrter Herr Haupt, sehr geehrte Vertreter der Stadtratsfraktionen und der Stadtverwaltung, sehr geehrte Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Organisationen, meine sehr geehrten Damen und Herren,

Besaret Penzkofer und ich, mein Name ist Mitra Sharifi, dürfen Sie im Namen des Migrationssozialdienstes der Arbeiterwohlfahrt und des Migranten- und Integrationsbeirates der Stadt Bamberg, die gemeinsam mit Frau Dr. Claudia Kupfer-Schreiner, Vertreterin des Faches Deutsch als Zweitsprache am Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur der Universität Bamberg, zu dieser Ausstellungseröffnung und weiteren Veranstaltungen anlässlich des 50sten Jahrestages des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens eingeladen haben, herzlichst begrüßen. Hoş geldiniz!

Penzkofer: Als wir diese Veranstaltung planten, hatten wir ein Fest im Sinn. Wir wollten und wollen ein Stück Geschichte der Migration in unserer Stadt und das 50-jährige Zusammenleben in diesem Land feiern.

Sharifi: Wir wollten manchen sarazinischen Unkenrufen zum Trotz vor allem von Erfolgsgeschichten und guten Entwicklungen sprechen, von türkischstämmigen Autoren, Regisseuren und Fußballspielern, auf die das Land stolz ist. Von türkischstämmigen Ministerinnen und Parteivorsitzenden, von Unternehmern und Arbeitern, von Handwerkern und Pflegekräften, von guten Nachbarschaften und neuen Freundschaften.

Penzkofer: Wir wollten aber auch daran erinnern, dass es an der Zeit ist, die Leistungen der Migranten mit türkischen Wurzeln anzuerkennen und ihnen zu danken. Wir wollten daran erinnern, dass es Zeit ist für rechtliche Gleichstellung und Stärkung der Partizipation durch Einführung des kommunalen Wahlrechts für alle Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt hier haben. Denn, wie Sie wissen, haben die meisten ehemaligen „Gastarbeitergruppen“ wie Griechen, Italiener, Portugiesen oder Spanier, nun als EU-Bürger das kommunale Wahlrecht – während Türkinnen und Türken weiterhin ausgeschlossen sind.

Sharifi: Wir wollten eine erleichterte Einbürgerung und die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft verlangen. Denn auch hier finden durch Entwicklungen im europäischen Recht die meisten Einbürgerungen unter der Hinnahme der Mehrstaatlichkeit statt. Die Türkinnen und Türken und sogar die Kinder müssen sich aber nach wie vor für eine Staatsangehörigkeit entscheiden, was Einbürgerungen und damit auch einer rechtlichen Gleichstellung im Wege steht. Wir wollten daran erinnern, dass türkischstämmige Migranten nicht nur rechtlich, sondern auch aufgrund ihrer ethnischen Herkunft und wegen der zunehmenden islamophoben Entwicklungen seit dem 11. September, auch aufgrund ihrer Religion, in besonderem Maße Vorurteilen, Ausgrenzung und Diskriminierungen ausgesetzt sind.

Penzkofer: Natürlich wollten wir auch auf die hohe Arbeitslosigkeit, das hohe Armutsrisiko bei Kindern sowie auf die Altersarmut bei Migrantenfamilien hinweisen. Wir wollten für ein Schul- und Bildungssystem plädieren, in dem der Schulerfolg nicht von der Herkunft der Eltern abhängt.

Sharifi: Trotz dieser noch zu meisternden Herausforderungen wollten wir vor allem feiern.

Aber die Entwicklungen der letzten Wochen haben uns zutiefst erschüttert: Rassisten und rechte Terroristen haben jahrelang vor allem türkischstämmige Menschen kaltblutig ermordet. Und die staatlichen Sicherheitsorgane haben beispiellos versagt.

Penzkofer: Hat es etwas damit zu tun, dass die Opfer des Terrors keine deutschen Großunternehmer, sondern nur einfache "Türken" waren? Man hat die Opfer fast reflexartig mafiösen Milieus zugeordnet.

Sharifi: Man hat aktive Bürgerinnen und Bürger und Organisationen, die vor gewalttätigen Nazistrukturen warnten, gerne als Linksextreme kriminalisiert.

Ich fürchte, hier ist nicht der Ort, um zu überlegen, was anders werden muss, was wir alle tun müssen, damit dem Rassismus, dem Terror und der menschenverachtenden Ideologie der Rechten Einhalt geboten werden kann,

Penzkofer: Ich bitte Sie aber, sich zu erheben, um gemeinsam eine Minute schweigend der Opfer und ihrer Familien gedenken. Denn leider gehören auch diese Morde zur Geschichte der Migration in Deutschland, um die es heute geht.

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Sharifi: Meine Damen und Herren,

Ich möchte Frau Dr. Kupfer-Schreiner, die heute leider nicht da sein kann und ihrer Kollegin, Frau Pöhlman-Lang, die sie heute vertritt und ihren Studierenden und Kollegen, sowie Frau Besaret Penzkofer und ihren Mitarbeitern, für die Erstellung der Ausstellung danken.

Penzkofer: Auch türkischen Familien und Herrn Mehmet Cetindere, dem Vorsitzenden des Türkisch-Islamischen Kulturvereins in Bamberg, danken wir für die zur Verfügung gestellten Bilder und Erinnerungsstücke. Der Regierung von Oberfranken danken wir für die finanzielle Unterstützung und der Stadt Bamberg, insbesondere Frau Susanne Sennefelder von der Koordinierungsstelle für Beiräte und Beauftragte und Frau Brigitte Riegelbauer vom Bürgermeisteramt, für die organisatorische und logistische Unterstützung.

Sharifi: Danken möchten wir auch Herrn Patrik Bartsch vom Lehrstuhl Turkologie für seinen Vortrag am 7. Dezember um 18.00 Uhr in der Universität Bamberg, Markusstr. 12 (Raum 012), zudem wir Sie einladen und auch Herrn Gerrit Zachrich vom Odeon Kino & Café, Bamberg, für die Sondervorstellungen des Films „Almanya“ morgen um 16:30 Uhr und übermorgen, um 18:30 Uhr. Diese Veranstaltungsreihe greift den Schwerpunkt der diesjährigen Interkulturellen Wochen auf, die heuer unter anderem mit dem Radeln gegen Rassismus die 50 Jahre Zusammenleben von Deutschen und Türken in der Bundesrepublik feiern, und wird auch weiter mit einem Schülermal- und Schreibwettbewerb in Zusammenarbeit mit Internationalem Künstlerhaus Villa Concordia fortgesetzt.

Unser Dank gilt auch unserer Festrednerin, der Direktorin des staatlichen Schulamtes Frau Gisela Bauernschmitt, sowie Frau Filiz Penzkofer, die uns ihre preisgekrönte deutsch-türkische Geschichte zum Besten gibt.

Penzkofer: Den Musikern Frau Gökyildiz und Herrn Metin danken wir für die musikalische Umrahmung. Wie Sie es dem Programm entnehmen können, sind einige Wortbeiträge vorgesehen, so übergeben wir das Wort nun an Frau Pöhlman-Lang, die eine Einführung zur Ausstellung und ihre Entstehung geben wird.

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